Homepage

Die Homepage stellt die Plattform dar für das Berliner Seminar für Interkulturelle Psychotherapie und Supervision

Sie beinhaltet Texte und Flyer, die erstellt wurden vom ZIPP – Zentrum für interkulturelle Psychiatrie, Psychotherapie und Supervision Charite, Campus Mitte, sowie den Kooperationspartnern

Interkulturelle Psychotherapie und Supervision in Theorie und Praxis

Mit der Etablierung des Berliner Seminars für interkulturelle Psychotherapie und Supervision am Campus Charité Mitte wollen wir uns als interdisziplinäre Arbeitsgruppe des ZIPP und seiner Kooperationspartner gesellschaftlichen Veränderungsprozessen und Problematiken stellen, wie sie durch eine zunehmende Globalisierung und Migration entstehen. In einer Welt der zunehmenden Globalisierung und Wanderung, in der ethnische und kulturelle Identität nicht mehr maßgeblich in einer ortsständigen Gruppe mit einer gemeinsamen Sprache entsteht, sondern in welcher der “Multikulturalismus in den Städten der Industrienationen kulturelle Differenz hervorbringt” (Gupta), wird es notwendig, über Differenz nachzudenken und dem jeweils Eigenen gewahr zu werden.
In Reaktion auf diese Entwicklungen in einer globalisierten und migratorischen Welt ist es notwendig, kulturelle Zugehörigkeit und/ oder Kulturen nicht mehr als abgeschlossene Entitäten zu denken. Kultur ist vielmehr vom Handeln der Subjekte her zu betrachten, in der Lokales und Globales in überraschend neuen Verbindungen auftaucht.
Es entstehen vielfältige Lebensstile, Alltagswirklichkeiten und kulturelle Repertoires.

Ziele und Grundlagen des Berliner Seminars

Das Berliner Seminar soll ein gelebter, interkultureller Ort werden, an dem sich KollegInnen aus unterschiedlichen Kontexten zusammenfinden, die in verschiedenen deutschsprachigen Ländern leben und arbeiten. Das Gefühl des Fremdseins, des nie wirklich Erkannt Werdens, des Leistungs- und Anpassungsdrucks an gesellschaftliche Veränderungsprozesse trifft nicht nur auf Patienten oder Klienten zu. Auch unter KollegInnen können interkulturelle Spannungen und kulturelle Missverständnisse entstehen. Dem wollen wir gemeinsam in unserem interkulturellen Großgruppenansatz nachspüren, in dem es gilt unsere eigenen kulturellen Verwobenheiten zu erkunden.

Wir sehen es als notwendig an, eine zertifizierte Weiterbildung im Bereich für interkulturelle Psychotherapie und Supervision anzubieten, da wir zunehmend in Institutionen wie auch in Behandlungssituationen einer internationalen Klientel begegnen.
Bisherige Diagnosemanuale, Konzepte der Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie zur Prävention und Wiederherstellung von seelischer Gesundheit werden als universell postuliert. Sie berücksichtigen nicht ausreichend diverse Bedeutungssysteme, gesellschaftliche Veränderungen, kulturelle Implikationen und deren Auswirkungen auf die Entstehung und Expression psychischer Erkrankungen. Die Anforderungen, die daraus resultieren sind für die Experten deutlich komplexer geworden. In der Geschichte der Patienten haben wir es auch mit Brüchen und unbewussten transkulturellen Konflikten zu tun, die häufig, wenn nicht erkannt in eine Regression führen können.

Es entstehen transkulturelle Welten, die eine Weiterentwicklung interkultureller Praxis- und Theorieansätze notwendig machen. Die gegenseitige Durchdringung und der Austausch von kulturellen Implikationen werden im gegenwärtigen Wissenschaftsdiskurs und in der Praxis über den Begriff der “Transkulturalität” oder als “transkulturell” beschrieben und reflektiert.

Transkulturalität

Transkulturalität entsteht an vielen Orten und erfordert gerade in Praxisfeldern wie der transkulturellen Psychiatrie und interkulturellen Psychotherapie eine Positionierung und einen Paradigmenwechsel. Es kann nicht mehr um den Nachweis universell gedachter psychologischer Kategorien und Theorieannahmen in anderen “Kulturen” gehen, nicht mehr um den Blick von den “Zentren in die Peripherie” – nun geht es um die gegenseitige Anerkennung und das Verstehen der jeweils eigenen Referenzsysteme und Bedeutungszusammenhänge. Diese sind für die Mitglieder einer Gruppe oft nicht bewusst aber handlungsleitend. Sie bestimmen sowohl die subjektive Definition von seelischer Krankheit und Gesundheit wie auch die angewandten Heilmethoden, als auch den Umgang damit auf Seiten der Experten. Erst ein so gestalteter Diskurs über Differenz und Andersheit ermöglicht eine “transkulturelle Praxis”, welche die Anforderungen an die Individuen und die Gruppe – an die Patienten wie an die Professionellen- im jeweiligen Feld reflektiert, ohne auf stereotype Zuschreibungen des “Anderen” zurückgreifen zu müssen.

Ansätze von kultureller Antizipation zu transkulturellem Verstehen

Die interdisziplinäre Verknüpfung von Ethnologie und Kulturwissenschaft mit der Psychoanalyse scheint besonders geeignet, um die diachrone mit der synchronen Achse zu verbinden, und die Reaktionen der Individuen auf gesellschaftliche Transformationsprozesse zugleich in ihrem Erleben und vor ihren jeweiligen historischen und sozialen Hintergründen zu betrachten. Brüche und unbewusste kollektive Konflikte aller am therapeutischen Prozess beteiligten
Ziel ist es, über ein psychoanalytisch und anthropologisch orientiertes Herangehen über: das Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten (Freud)

Zusatzqualitfikation in interkultureller Theorie und Praxis

Curriculum Berliner Seminar für interkulturelle Psychotherapie und Supervision

Der einjährige Basiskurs des Seminars für interkulturelle Psychotherapie und Supervision greift die oben genannten Themen praxisnah auf.

Jede Weiterbildungseinheit umfasst täglich:

Theorievorträge:

Die interdisziplinär gestalteten Theorievorträge werden auch von internationalen Gästen abgehalten. Ziel ist es, hier über einen interdisziplinären Ansatz, einen Einblick in transkulturelle Theorie- und Praxisansätze zu vermitteln, der dem gegenseitigen Verstehen und der Antizipation von kulturellen Implikationen und verschiedenen kulturellen Repertoires dient.
Auf der Grundlage eines interdisziplinären und interkulturellen Ansatzes werden darüber hinaus migratorische und transkulturelle Prozesse und ihre Wirkung auf die Subjekte untersucht. Die damit verbundenen besonderen Anforderungen können, wenn sie psychisch nicht bewältigt werden, zu Identitätsverlusten und Handlungsunfähigkeit führen. Parallel dazu werden psychische Störungen und ihr Umgang damit in verschiedenen Heilungskulturen beleuchtet. Damit gehen wir der Frage nach, wie dieses Wissen in Ansätze einer transkulturellen Praxis einfließen kann.

Themenübersicht:

Großgruppen (Güc, Wohlfart, Tippelskirch)

Supervisions- und Großgruppen werden von interkulturellen Tandems geleitet. Während der Fokus in den Supervisionsgruppen auf der klinisch-technischen Fallarbeit liegt, wollen wir in den Großgruppensitzungen den Blick auf uns selbst richten und unsere Verschiedenheiten Gemeinsamkeiten, kulturellen Verwobenheiten und unser Befremden gemeinsam erkunden.

Interkulturelle Supervision

Durch eine multiperspektivische Arbeitsweise trägt die interkulturelle Supervision im Rahmen einer technisch kasuistischen Fallarbeit zur Vertiefung der interkulturellen Kompetenzen der Teilnehmer bei.

Theoretischen Grundlagen der Supervision sind die Theorie und Praxis der

Diese Triangulierung im methodischen Ansatz ermöglicht es, das Zusammenwirken der kulturellen Dynamik und der individuellen Psychodynamik zu erfassen. Durch die interkulturelle Zusammensetzung der Supervisionsgruppen werden die diversen kulturellen Repertoires der Teilnehmer zu Ressourcen, die Unverstandenes in ihrer kollektiven und individuellen Bedeutung erschließbar machen.

Konzeption: Andersheit, Bewegung und Übersetzung

Die Konzeption der Weiterbildung am Berliner Seminar für interkulturelle Psychotherapie und Supervision – der erste qualifizierte Basiskurs in interkultureller Theorie und Praxis – ermöglicht es den Teilnehmerinnen und den Teilnehmern:

So wird es möglich, sich gleichzeitig methodisch auf eine konkrete interkulturelle, transkulturelle Praxis und in eine Bewegung zu begeben.

Jenseits des Diversen erhoffen wir, den Teilnehmern auch das Gemeinsame erfahrbar werden zu lassen in der Theorie wie auch in der Praxis. Dies setzt ein Verstehen von Bedeutungszusammenhängen und Deutungssystemen voraus, die allen am Prozess Beteiligten zugänglich sind. Drei Referenzbegriffe, die einen gegenwärtigen Diskurs in kulturwissenschaftlichen und ethnologischen Disziplinen aufgreifen sind Andersheit, Bewegung und Übersetzung.

Wir gehen davon aus, dass gerade das Erleben von Andersheit, Bewegung und Übersetzung die interkulturellen Begegnungen zwischen Patienten und Behandlern, wie auch die der Kollegen verschiedener Herkunft und Disziplinen untereinander wesentlich bestimmen. Sie werden einen Einblick in mögliche andere spirituelle Welten und Bewältigungsstrategien bekommen, um so ihren “transkulturellen Blick” schärfen zu können.