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Zentrum für interkulturelle Psychiatrie, Psychotherapie und Supervision
an der Charité

Gegründet von Dr. med. Ernestine Wohlfart 2002

Weiterbildung in Interkultureller Psychotherapie und Supervision

Mit der Etablierung des Berliner Seminars für interkulturelle Psychotherapie und Supervision am Campus Charité Mitte wollen wir uns als interdisziplinäre Arbeitsgruppe des ZIPP und der kooperierenden psychoanalytischen Institute den gesellschaftlichen Veränderungsprozessen stellen, die durch eine zunehmende Globalisierung entstehen. In einer Welt der zunehmenden Migrations- und Fluchtbewegungen, in der kulturelle Identität nicht mehr maßgeblich in einer lokalen Gruppe mit einer gemeinsamen Sprache entsteht, ist es notwendig, über Differenz nachzudenken und dabei das jeweils kulturell Eigene mitzureflektieren.

Als Reaktion auf diese Entwicklungen erscheint es notwendig, Kulturen nicht mehr als geschlossene Systeme zu denken (Welsch 1997). Sie sind vielmehr vom Handeln der Subjekte her zu verstehen, in dem Lokales und Globales in überraschend neuen Verbindungen auftauchten, wie dies Homi Bhabba in seiner Konzeption des „dritten Raums“ beschreibt. (Bhabba 2000) So entstehen vielfältige Lebensstile, Alltagswirklichkeiten und kulturelle Repertoires. (Nadig, 2002)

Wir sehen es als sinnvoll an, eine zertifizierte Weiterbildung im Bereich interkultureller Psychotherapie und Supervision anzubieten, da wir zunehmend in Institutionen wie auch in Behandlungssituationen einer internationalen Klientel begegnen. Bisherige Diagnosemanuale, Konzepte der Psychiatrie, Psychotherapie und Psychoanalyse zur Prävention und Wiederherstellung von seelischer Gesundheit werden als universell postuliert. Kulturelle Diversität, gesellschaftliche Veränderungen, kulturspezifische Implikationen und deren Auswirkungen auf die Entstehung und Expression psychischer Erkrankungen werden dabei jedoch kaum berücksichtigt. Die Anforderungen, die daraus resultieren sind für die Experten deutlich komplexer geworden. In den Biographien der Patienten haben wir es häufig mit Brüchen und unbewussten transkulturellen Konflikten zu tun, die unerkannt nicht selten in eine Regression oder Chronifizierung führen.

Transkulturalität

Transkulturalität entsteht an vielen Orten und erfordert gerade in Praxisfeldern wie der transkulturellen Psychiatrie und interkulturellen Psychotherapie eine Positionierung und einen Paradigmenwechsel. Es geht nicht mehr um den Nachweis universell gedachter psychologischer Kategorien, nicht mehr um den Blick von den ‚Zentren in die Peripherie’ – es geht vielmehr um die gegenseitige Anerkennung und das Verstehen der anderen und der jeweils eigenen Referenzsysteme und Bedeutungszusammenhänge. Diese sind für die Mitglieder einer Gruppe oft nicht bewusst, aber handlungsleitend. Sie bestimmen sowohl die subjektive Definition von seelischer Gesundheit und Krankheit als auch die angewandten Heilmethoden und den Umgang damit auf Seiten der Experten. Transkulturelle Praxis ist erst durch einen lebendigen Diskurs über Differenz und Andersheit möglich. Dieser erfordert, dass Individuen wie Gruppen – Patienten wie Professionelle, den jeweiligen Kontext reflektieren, ohne auf stereotype Zuschreibungen des ‚Anderen’ zurückgreifen zu müssen. Dazu gehört auch das Aushandeln gemeinsamer Referenzsysteme.

Ansätze von kultureller Antizipation zu transkulturellem Verstehen

Die interdisziplinäre Verknüpfung von Ethnologie und Kulturwissenschaft mit der Psychoanalyse scheint besonders geeignet, um die Reaktionen der Individuen auf gesellschaftliche Transformationsprozesse zugleich in ihrem Erleben und vor ihren jeweiligen historischen und sozialen Hintergründen zu betrachten. Ziel ist es, über ein psychoanalytisch und anthropologisch orientiertes Herangehen

Zusatzqualifikation in interkultureller
Theorie und Praxis – Aufbau der Weiterbildung

Die einjährige Weiterbildung des Seminars für interkulturelle Psychotherapie und Supervision greift die oben genannten Themen praxisnah auf und ist in drei Einheiten aufgeteilt.

Jede Einheit umfasst zwei Tage, jeweils Freitag und Samstag und findet in der Charité Campus Mitte in Berlin statt.

Jede Weiterbildungseinheit beinhaltet:

Supervisions- und Großgruppen werden in der Regel von interkulturellen Tandems geleitet.
Die Leitung der Großgruppe übernehmen Fatih Güç und Dorothee von Tippelskirch-Eissing.
Supervisionsteams sind Tülay Özbek und  Şahap Eraslan, Salwa Meier und Sanja Hodzic,  Monika Englisch und Udo Hock.

Kosten für den Durchgang ab Oktober 2016

Regulärer Teilnahmebeitrag 1.150 €
Ermäßigter Teilnahmebeitrag 950 €

Die Weiterbildung wird von der Psychotherapuetenkammer zertifiziert.

Theorievorträge

Die interdisziplinär gestalteten Theorievorträge werden von den Mitgliedern des Berliner Seminars und gelegentlich von Gästen abgehalten. Ziel ist es, einen Einblick in transkulturelle Theorie- und Praxisansätze zu vermitteln, der dem Verstehen und der Antizipation von kulturellen Implikationen und verschiedenen kulturellen Repertoires dient. Parallel dazu werden psychische Störungen und der jeweils kulturgebundene Umgang damit in verschiedenen Kontexten vermittelt. Dabei gehen wir der Frage nach, wie dieses Wissen in Ansätze einer transkulturellen Praxis einfließen kann.

Themenschwerpunkte sind

Selbsterfahrung in der analytischen Großgruppe

Ein ganzes Leben lang bewegen wir uns in unterschiedlichen Gruppen. Die Selbsterfahrungsgruppe betrachtet sowohl das Individuum als auch das Kollektiv als „Gruppe“ und schafft den Raum für die Wechselwirkung der unbewussten Prozesse zwischen ihnen beiden. In einem lebendigen Gruppenprozess können kulturelle Diversität, die sich durch Missverständnisse und Spannungen zeigen kann, und multiple Gruppenzugehörigkeiten, die das Gemeinsame und das Verbindende deutlich werden lassen, erfahrbar werden. So kann ein Verständnis von Transkulturalität entstehen.

Interkulturelle Supervision

Durch eine multiperspektivische Arbeitsweise trägt die interkulturelle Supervision im Rahmen einer technisch-kasuistischen Fallarbeit zur Vertiefung der interkulturellen Kompetenzen der Teilnehmer bei. Theoretische Grundlagen der Supervision sind die Theorie und Praxis der

Der ethnopsychoanalytische orientierte Ansatz ermöglicht es, das Zusammenwirken der kulturellen Dynamik und der individuellen Psychodynamik zu erfassen. Durch die interkulturelle Zusammensetzung der Supervisionsgruppen werden die kulturellen Repertoires der Teilnehmer zu Ressourcen, die Unverstandenes in ihrer kollektiven und individuellen Bedeutung erschließbar machen.

Grundlagen und Ziele des Berliner

Das Berliner Seminar soll ein Ort sein, in dem ein Übergang von gelebter Interkulturalität zu transkultureller Praxis erfahrbar wird. Ein Raum, in dem sich KollegInnen aus unterschiedlichen Kontexten zusammenfinden, die in verschiedenen deutschsprachigen Ländern leben und arbeiten. Das Gefühl des Fremdseins, des nie wirklich Erkannt-Werdens und des erhöhten Leistungs- und Anpassungsdrucks trifft nicht nur auf Patienten oder Klienten zu. Auch unter KollegInnen können interkulturelle Spannungen und kulturelle Missverständnisse entstehen. Diesen wollen wir gemeinsam im Rahmen unserer analytischen Großgruppensitzungen nachspüren, in denen wir unsere eigenen kulturellen Verwobenheiten erkunden. Während der Fokus in den Supervisionsgruppen auf der klinisch-technischen Fallarbeit liegt, wollen wir in den Großgruppensitzungen den Blick auf uns selbst richten und unsere Verschiedenheiten, Gemeinsamkeiten gemeinsam erkunden.

Konzeption: Andersheit, Bewegung und Übersetzung

Die Konzeption der Weiterbildung am Berliner Seminar für interkulturelle Psychotherapie und Supervision ermöglicht den Teilnehmern eine Pendelbewegung einzunehmen zwischen dem Eigenen und dem kulturell Anderen.

Drei Referenzbegriffe, die den gegenwärtigen Diskurs in kulturwissenschaftlichen und ethnologischen Disziplinen aufgreifen sind Andersheit, Bewegung und Übersetzung. Wir gehen davon aus, dass gerade das Erleben von Differenz und Annäherung die Begegnung zwischen Patienten und Behandlern, wie auch zwischen Kollegen verschiedener Herkunft und Disziplinen wesentlich bestimmen. Die Begegnungen im Berliner Seminar eröffnen einen diskursiven Raum  in dem Transkulturalität über die gemeinsame Praxis erfahrbar wird.

Ziel des Berliner Seminars ist es, den Teilnehmern zu ermöglichen durch Theorievermittlung, Selbsterfahrung und Supervision einen eigenen ‚transkulturellen Blick’ zu entwickeln oder zu schärfen. Jenseits der kulturellen Diversität hoffen wir, den Teilnehmern auch das Gemeinsame und Verbindende erfahrbar werden zu lassen.